WAS UNS BEWEGT ... 

 

Foto: Paavo Blåfield
Foto: Paavo Blåfield

Dagmar Knauf:

 

Mein Interesse an ehrenamtlicher Arbeit habe ich eigentlich durch meine Kinder entdeckt, denn in Kindergarten und Schule wurde schnell an vielen Ecken und Enden die Notwendigkeit für elterliche Mithilfe sichtbar (Elternbeirat, Förderverein, Begleitung bei Ausflügen, Mitorganisation von Festen…).

 

Auch in der Kirchengemeinde steht der Beginn meines Engagements im Zusammenhang mit meinen Kindern. Es gab (und gibt es immer noch) mit Kindergottesdienst, Spielkreis und Malschule schöne Angebote für Kinder, und es wuchs in mir das Bedürfnis, etwas zurückzugeben für das Gute, das wir dort erfahren durften.

Am Anfang stand die Mithilfe beim Kindersachenflohmarkt zweimal im Jahr, was für die damaligen Spielkreiseltern schon fast Ehrensache war.

Daraus wurde immer mehr auch Mithilfe bei der Organisation des Flohmarkts, auch noch als meine Kinder längst aus dem Spielkreisalter raus waren, und bis heute bin ich dem Orga-Team Flohmarkt treu geblieben.

 

In dieser Zeit ist die Verbindung zu meiner Gemeinde wieder neu entstanden, die durch längere Abwesenheit während und nach dem Studium leider abgebrochen war. Dazu muss ich sagen, dass ich eine echtes Jungfernköpfer Kind bin und in unserer Kirche von Pfarrer Salecker getauft und von Pfarrer Hallaschka konfirmiert wurde.

Als dann mit Claudia und Arno Wilke ein Pfarrerehepaar an den Jungfernkopf kam, die in ungefähr unserem Alter waren und auch Kinder in ähnlichem Alter hatten, hat sich für mich noch mal etwas Wesentliches verändert. Eine Begegnung auf Augenhöhe schien auf einmal möglich, und so bin ich nach und nach immer mehr wieder in meine Gemeinde hineingewachsen.

Aus der Teilnahme an einer Zukunftswerkstatt entstand z.B. das Café Himmelsleiter, das ich auch heute noch mit viel Freude – gemeinsam mit Anne Heinzmann – organisiere. Weitere Stationen waren die Mithilfe bei Gemeindefesten, die Mitgestaltung von Glaubenskursen, die zeitweise Leitung des Spielkreises zusammen mit zwei Freundinnen und – mein ganz besonderes Highlight – die wunderbare Theatergruppe „Gans bunt“, die es leider heute nicht mehr gibt.

 

Mit dem wachsenden Vertrauen und Zugehörigkeitsgefühlt wuchs dann bei mir ebenfalls die Bereitschaft, darüber hinaus auch in der Gemeindeleitung mit tätig zu sein. Vor sechs Jahren wurde ich also in den Kirchenvorstand der Gemeinde Jungfernkopf gewählt und habe in dieser ersten Amtsperiode viele Neues gelernt, neue Kontakte geknüpft und vor allem die Erfahrung gemacht, dass es immer leicht ist, Gemeindearbeit zu kritisieren, aber gar nicht so leicht, Gemeindearbeit unter Beachtung aller äußeren Faktoren und unter Berücksichtigung aller Interessen wirklich zu leisten.

Trotzdem lohnt sich der Einsatz, und so möchte ich auch weiterhin im Kirchenvorstand mitarbeiten, weil ich etwas zurückgeben will und die Gemeinschaft der Christen in ihrer Arbeit für eine lebendige und aktive Kirchengemeinde unterstützen möchte.

 

Dagmar Knauf, Juli 2019

 

 

Foto: privat
Foto: privat

Hallo mein Name ist Alexander Bering und ich bin KV-Mitglied seit 2015.

 

Erst spät zu Gott gefunden

Obwohl ich mich für die Kirchengemeinde schon seit 14 Jahren - meist hinter den Kulissen - ehrenamtlich engagierte, wurde ich erst in 2007 bekennender Christ. Natürlich ließ ich mich hier am Jungfernkopf taufen. Dank unserer Pfarrerin, die auch die Mitgestaltung meiner Frau am Gottesdienst ermöglichte, ein sehr tiefgreifendes Erlebnis.

 

Doch wie das Leben manchmal so spielt:

Eine Woche nach der Taufe erlitt ich einen sehr schweren Verkehrsunfall. Die große Unterstützung von vielen Gemeindemitgliedern hier am Jungfernkopf für mich und meine Familie, die vielen Gebete, das alles war überwältigend und dass ich heute diese Zeilen überhaupt schreiben kann, grenzt schon an ein kleines Wunder. Dafür bin ich sehr dankbar. Es hilft mir, trotz entstandener Einschränkungen, nicht zu sehr zu hadern. 

Mit ein Grund, weshalb ich mich im KV engagiere: Ich möchte etwas zurückgeben.

 

Kinder- und Jugendarbeit ist mir wichtig

Neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Bauingenieur, engagiere ich mich in unserer Kirchengemeinde ehrenamtlich hauptsächlich in der Kinder- und Jugendarbeit (u. a. als Mitorganisator der Kinder-Bibel-Woche im Habichtswald, richte zusammen mit meiner Frau und einem Team von jungen Ehrenamtlichen Übernachtungsevents, wie z. B. die Kinderradio-Nacht aus oder kümmere mich um Fortbildungsmöglichkeiten für die jungen Menschen usw.). Auch mein handwerkliches Geschick wurde schon oft benötigt.

 

Bauausschuss - auch ein Bauingenieur kann nicht aus seinen Schuhen

Weiterhin bin ich im Bauausschuss der Kirchengemeinde tätig, der durch die Umbaumaßnahmen gerade besonders gefordert ist. 

Gerne arbeite ich mit den anderen KV´lern an den großen und kleinen Projekten rund um unsere Kirche.

Dazu zählen die noch recht neue Hütte auf der Kirchwiese, das Baumhaus und die neue Regenwasserleitung.

Aktuell der bevorstehende barrierefreie Zugang zu den Toiletten, die Neugestaltung der Küche usw.

Das nächste große Projekt wird die Erneuerung der WC-Anlage im Keller sein; die Renovierung der Büroräume und der Jugendräume stehen auch noch an.

 

Eigenständigkeit der Kirchengemeinde Jungfernkopf erhalten

Mir als KV-Mitglied ist es wichtig, die Gemeindearbeit auf eine breite Basis zu stellen. Denn zum Erhalt unserer Gemeinde als eigenständige Kirchengemeinde beizutragen, ist mir ein großes Bedürfnis. Auch wenn das manchmal ganz schön anstrengend sein kann.

 

Alexander "Sascha" Bering, April 2019

 

 

Foto: Joachim Otto, 2019
Foto: Joachim Otto, 2019

Joachim Otto:

 

Mein Einstieg in den Kirchenvorstand, damals als neu zugezogener Student in der Kirchengemeinde Kassel-Mattenberg, ist verbunden mit einer älteren, resoluten Dame, die als regelmäßige Kirchgängerin die Konfirmanden öfters heftig schimpfte.

Einmal sprach ich sie darauf an und sagte ihr, dass die Konfirmanden doch nichts Schlimmes getan hätten und dass es doch gut sei, wenn sie in die Kirche kommen. Erstaunlicherweise nahm sie mir das nicht übel, sondern einige Sonntage später, als Kirchenvorstand und Konfirmanden feierlich in den Gottesdienst einzogen, stieß sie mir ihren Ellbogen in die Rippen und sagte: „Beim nächsten Mal sind Sie mit dabei!“. Bei der Kirchenvorstandswahl 1995 kandidierte ich also mit 24 Jahren und wurde gleich gewählt.

 

Besonders wichtig in der Zeit in der Kirchengemeinde Mattenberg wurden mir die Neuerungen in den Gottesdiensten, insbesondere die Einführung neuer Lieder in der Liturgie, dass der Kindergottesdienst parallel zum Gottesdienst gelegt wurde, und mitzuarbeiten bei den vielen Festen und Aktionen wie ProChrist.

Positiv fand ich die jährlichen Kirchenvorstandsfreizeiten, bei denen jedes Mal sehr intensiv an der Gemeindeentwicklung gearbeitet wurde, aber gelegentlich auch Eindrücke aus den Gottesdiensten der gastgebenden Gemeinde übernommen wurden.

Schwierig war es manchmal, als jüngstes Mitglied im Kirchenvorstand meine Ideen durchzubringen, vieles war der Mehrheit doch zu weitgehend.

 

Mit dem Umzug an den Jungfernkopf habe ich erst einmal eine Pause eingelegt in der Kirchenvorstandsarbeit. Bei der Wahl 2013 habe ich mich dann sehr kurz vor Bewerbungsschluss entschieden zu kandidieren, weil ich Freude daran verspürt habe, mit dem recht jungen und engagierten Team, das kandidierte, zusammenzuarbeiten und etwas Gutes aufzubauen.

Diesmal wurde ich in den Kirchenvorstand berufen, und freue mich, dabei zu sein.

Es hat etwas gedauert, bis ich die Vielfalt der Gruppen in unserer Gemeinde kennengelernt habe, und auch gelernt habe, was hier wichtig ist: Das liebevolle Miteinander, eine Kultur der Achtung und der gegenseitigen Hilfe.

Ebenso bedurfte es Geduld und Durchhaltevermögen, um "etwas ins Rollen zu bringen", so der barrierefreie Umbau der Zugänglichkeit und zuvor der Einbau neuer Heizkörper. Manche Dinge, die nervig waren, wurden aus meiner Sicht zu lange akzeptiert, beispielsweise die lange Zeit nicht gut funktionierende Lautsprecheranlage in der Kirche und vor Allem das unzuverlässige Internet. Beides ist jetzt in viel besserem Zustand als 2013 übernommen, und große Freude bereiten mir Beamer und die wachsende Lebendigkeit der Gottesdienste.

 

Traurig ist, dass im vergangenen Jahr viele Menschen, die die Gemeinde jahrzehntelang mit Gebet, Präsenz und Aktivität prägten, von uns gegangen sind. Und natürlich die sinkenden Mitgliederzahlen. Hoffnung macht mir, dass ein „harter Kern“ von Gottesdienstbesuchern und Aktiven größer wird und zuverlässig bei Andachten und Feiern dabei sind.

 

Und hier sehe ich noch ein gutes Entwicklungspotenzial: Dass das gemeinsame Gebet und das Praktizieren der Geistesgaben wie Segnen und das Beten für Heilung, die Seelsorge und die Begleitung auch zwischen den Gemeindegliedern wächst. Unser Pfarrerehepaar macht in diesen Bereichen schon gute Arbeit, das „allgemeine Priestertum der Gläubigen“ kann aber auch noch stärker lebendig werden und dabei helfen, das Reich Gottes in unserem Stadtteil aufzubauen.

 

Joachim Otto, April 2019